Hattersheim wächst rasant

4. Oktober 2017

Stadtentwicklung in Hattersheim: Immer mehr junge Familien kommen nach Hattersheim. Der Main-Taunus-Kreis plant daher eine weitere Grundschule.

Hattersheim ist drauf und dran, nach der Kreisstadt Hofheim zweitgrößte Kommune im Main-Taunus-Kreis zu werden und damit Kelkheim zu überholen.

750 Wohnungen werden in den nächsten fünf Jahren in der Kernstadt gebaut und sollen bis spätestens 2022 bezugsfertig sein. Auf mehr als 30 000 Menschen wird die Einwohnerzahl Hattersheims dann anwachsen. So wie schon bisher im Baugebiet auf dem ehemaligen Sarotti-Gelände entlang des Hessendammes werden in die neuen Häuser vor allem Familien mit Kindern einziehen. Die Betreuungsplätze werden dann nicht mehr ausreichen. Denn in den Hattersheimer Krippen und Kindergärten gibt es schon jetzt Engpässe, und die beiden Grundschulen in der Kernstadt platzen aus allen Nähten.

Sofort nach seinem Amtsantritt im Oktober vergangenen Jahres habe er beim Main-Taunus-Kreis Alarm geschlagen, sagte Hattersheims Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) der FR. „Es war klar, dass der ungebremste Zuzug von jungen Familien in den letzten Jahren einen immensen Bedarf an zusätzlicher Infrastruktur nach sich ziehen wird und dass die Kita- und die Schulplätze, die wir in Hattersheim haben, bei Weitem nicht ausreichen werden, um den Bedarf zu decken.“ Rund 2000 Menschen seien in den vergangenen fünf Jahren in Hattersheim zugezogen; mit ebenso vielen Neubürgern rechnet Schindling bis 2022.

Während im Hattersheimer Rathaus am Konzept für einen neuen Kindergarten für 150 Unter-sechs-Jährige gearbeitet wird, haben im Amt für Jugend. Schulen und Kultur im Landratsamt Experten den Bedarf an zusätzlichen Grundschulplätzen ermittelt. Sie kamen zu dem Schluss, dass mindestens zehn Klassen pro Jahrgang für Grundschüler in der Kernstadt gebildet werden müssen. Und dass die Kapazitäten weder an der Robinsonschule, die vierzügig ist, noch an der dreizügigen Regenbogenschule geschaffen werden können.

Der Main-Taunus-Kreis plane deshalb, in Hattersheim eine komplett neue Grundschule zu errichten, teilte Landrat Michael Cyriax (CDU) jetzt mit. Die politischen Gremien würden demnächst darüber beraten.

Die neue Grundschule in der Kernstadt soll drei bis vier Züge haben, südlich des Südrings im Glockwiesenweg gebaut werden und einen eigenen Schulbezirk bekommen. Für den Ersten Kreisbeigeordneten und Schuldezernenten Wolfgang Kollmeier (CDU) ist der Bau der neuen Grundschule ein Zeichen vorausschauender Planung. „Wir wollen hier im Sinne der Hattersheimer Schüler im wahrsten Sinne des Wortes vorbauen“, sagte Kollmeier. Zu große Schulen sollten vermieden werden. Speziell an der Robinsonschule müsse der Zuwachs auf fünf, besser noch vier Züge begrenzt werden, um Platz für Ganztagsangebote zu schaffen. Die weiteren Grundschulen in Hattersheim – die Eddersheimer Schule und die Albert-Schweitzer-Schule in Okriftel – könnten wegen ihrer Lage und ihres knappen Platzangebotes keine Entlastung bieten.

Bis Ende des Jahres werden der Schulausschuss und der Kreistag über das Thema beraten. Bei einem positiven Votum muss das Kultusministerium den Plan bestätigen; danach könnte im Kreisparlament der endgültige Beschluss zum Bau der neuen Grundschule fallen.

Die SPD, die größte Oppositionspartei im Main-Taunus-Kreistag ist, hat sich bereits positiv zu den Plänen geäußert. Die Sozialdemokraten halten insbesondere den Standort für sinnvoll, da auf diese Weise sowohl Kinder aus der Siedlung am Südring mit vielen Sozialwohnungen sowie Schüler aus dem Neubaugebiet Schokoladenquartier auf dem ehemaligen Sarottigelände die Grundschule besuchen würden. Das sei eine gute Mischung.

Demnächst wird der Landrat das Investitionsprogramm des Landkreises vorstellen, zu dem auch das Schulbauprogramm gehört. Über die Fortschreibung der Schulentwicklungsplanes wird dann in den ersten Monaten des kommenden Jahres ausführlich diskutiert. Dabei wird es auch um die Frage gehen, wie der ebenfalls steigende Bedarf an Plätzen in weiterführenden Schulen künftig gedeckt werden kann. „Wir haben dabei nicht nur den Standort Hattersheim im Blick, sondern auch andere Städte wie zum Beispiel Hochheim, wo das Neubaugebiet Schänzchen III gerade entsteht, oder Flörsheim, wo ebenfalls viele junge Familien mit Kindern zugezogen sind“, sagte Kollmeier im Gespräch mit der FR.

Zu berücksichtigen seien nicht zuletzt auch die Flüchtlinge, von denen aktuell rund 4000 im Main-Taunus-Kreis leben. Auch unter ihnen seien viele Kinder im schulpflichtigen Alter.

 

Artikel von Andrea Rost in der Frankfurter Rundschau

Foto: Rolf Oeser